Gasthaus zum Lillachtal

Bach mit Treppe - Die Lillach bei Weißenohe

Ein Geheimtipp ist das stille Tal oberhalb von Weißenohe schon lange nicht mehr. Selbst im Winter kommen Wanderer von Gräfenberg oder Rüsselbach herüber, folgen Sparziergänger am Ortsende von Dorfhaus dem Wegweiser „Sinderstufen“ (mit „d“!) an den Fischteichen vorbei aufwärts. 1998 wurde die dortige Attraktion für das naturliebende Publikum vorbildlich hergerichtet, aber gleichzeitig auch geschützt. Die Rede ist von den malerischen Kalktuffterrassen der Lillach.

Zur Quelle sind es ab Dorfhaus nur zwei, drei Kilometer. Das Wasser der Lillach sprudelt am Fuße einer felsigen, baumbestandenen Böschung hervor. Talabwärts plätschert die Lillach munter über große und kleine Vorsprünge, bildet kleine Becken und Kaskaden. Kenner halten diese Sinterstufen für eine der schönsten in ganz Deutschland. s

Für ihre Entstehung sind mehrere Faktoren verantwortlich. Mit Kohlendioxid aus der Luft angereichertes Regenwasser, dass als Kohlensäure beim Durchsickern des Bodens Teil des Kalks aus dem Gestein löst, macht das Wasser der Lillach sehr kalkhaltig. Sprudel und Verwirbelungen im Bach sorgen dafür, dass Kohlendioxid wieder entweicht und Kalk ausfällt. Feine Kalknadeln lagern sich an Pflanzen ab. Moose und Algen wollen der Verkrustung entgegenwirken und wachsen über die verkalkte Schicht hinaus – am Ende des Prozesses entstehen stockwerkartige Kalkgebilde, sogenannte Tuffe. Wie die Steinernen Rinnen bauen sich die Sinterstufen jährlich nur um rund zwei Millimeter auf.

Das landschaftlich reizvolle Lillachtal ist ein Rückzugsgebiet für seltene Pflanzen und Tiere. Über hundert verschiedene Schmetterlinge wurden dort beobachtet, darunter der Schwalbenschwanz und der Brombeerzipferfalter. Wasseramsel und Feuersalamander, Gelbbauchunke und Libelle wie die Quelljungfer sind weitere Raritäten.rstu

Vor einigen Jahren hatten Naturfreunde Alarm geschlagen: Das Kleinod drohte zu vergammeln. Verantwortungslose Zeitgenossen störten das sensible Ökosystem, stiegen im Bachbett der Lillach herum und schädigten den Tuffstein. Auf den so entstandenen Trampelpfaden suchte sich das Wasser neue Wege; zusätzlich wuchs der Bachlauf immer mehr zu. Schließlich wurde ein 100 000-Mark Projekt zur Rettung des Naturdenkmals Lillachtal angekurbelt. Nach einem ausgefeilten Sanierungskonzept hat man das Ufer und unerwünschtes Gehölz entfernt, Stege und Kieswege angelegt. Geländer dienen als Barrieren; Zäune trennen nun besonders schutzwürdige Bereiche ab, Ruhebänke laden an Aussichtspunkten zum Verweilen ein. Einige Schautafeln klären über Flora und Fauna, über Entstehung und Bedeutung des Tuff-Phänomens auf.

(Quelle: Buch "Fundort Natur" von Horst M. Auer - ars vivendi Verlag)